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Lille 2009/2010

Erfahrungsberichte: 2009(Lille), 2008(Köln)

Austauschprogramme als Beispiel:  2009(Lille)     2008(Köln)

Geschichte/Entwicklung

Ein Brief aus Lille

 

 

 

Lille 2009/2010

 

Bilder vom Frankreichaustausch 2009/10

 

Teil 1 unseres Austausches


Endlich war der langersehnte Tag da. Es war der 3.12.2009, als unsere französischen Austauschschüler bei uns in der Schule eintrafen. Wir waren alle sehr nervös und wussten nicht, wie wir sie begrüßen sollten, da wir ja bisher nur mit ihnen geschrieben/gechattet hatten. Sie das erste mal in "Echt" zu sehen war seltsam. Dann gingen wir mit ihnen in einen Raum, wo Eltern schon kleine "Snacks" vorbereitet hatten. Eine französische Schülerin hielt auf deutsch noch eine kleine Rede, was wir alle total super fanden! An den Tischen redeten wir kaum mit unseren Austauschschülerinnen, sondern eher mit unseren Klassenkameradinnen. Nach ungefähr 45 Minuten gingen wir mit ihnen dann noch in der Mensa zu Mittag essen. Als wir mit dem Essen fertig waren fuhren wir alle mit unserer Austauschschülerin nach Hause. Meine Austauschschülerin hatte mir in einer Mail geschrieben, dass sie Angst vor Hunden hat, was dann bei mir zu Hause ein kleines Problem war, da sie sofort von meinem Hund überrascht wurde. Zusammen gingen wir dann hoch in mein Zimmer, wo sie sich erst einmal umguckte und sich alle Fotos anschaute. Langsam lockerte sich die Situation und wir begannen zu reden. Sie auf deutsch und ich auf französisch.
Freitags war dann für uns Deutsche ein nicht so toller Tag, da wir in die Schule gehen mussten, während die Franzosen eine Einführung zu Köln bekamen, ins Rathhaus fuhren, im "Früh" zu Mittag aßen und den Dom besichtigten. Am Nachmittag holten wir sie dann im Museum ab, gingen mit ihnen über den Weihnachtsmarkt und wie es sich für Mädchen nun einmal gehört, waren wir natürlich auch shoppen. Zu Hause hatte sich die Situation dann endgültig gelockert. Wir saßen im Bett und redeten über alles: Mode, Klassenfahrten, Familie, Freunde. Von Stunde zu Stunde redete ich mehr deutsch und es schien, als ob sie immer mehr verstand.
Am Wochenende, hatten wir dann alle unsere eigenen Pläne. Samstags trafen wir uns zu mehreren Mädchen im Phantasialand, wo wir, wie auch die Franzosen eine Menge Spaß hatten. Wir waren wirklich eine lustige Gruppe, wie wir so durchs Phantasialand rannten, mit unseren Nikolausmützen und uns gegenseitig mit Schneebällen bewarfen. Als wir abends zu Hause ankamen, konnten wir nur noch ins Bett fallen, so müde waren wir!
Sonntags, waren meine Familie, meine Austauschschülerin und ich im Restaurant. Für meine Eltern war es ein bisschen schwer sich mit ihr zu unterhalten, da sie kein Wort französisch können. Sie machten sich jedoch wirklich gut und sprachen extra ein bisschen deutlicher und langsamer. Am Nachmittag fuhren wir dann zusammen auf den Kölner Weihnachtsmarkt, wo wir dann noch ein paar andere Familien trafen. Leider regnete es. Also setzten sich unsere Eltern ins Cafe und wir machten uns auf den Weg zu einem Fotoautomaten. Jede von uns ging mit ihrer Austauschschülerin hinein und ich muss sagen, als die Fotostreifen dann raus kamen, hatten wir wirklich sehr viel zu lachen.
Dann war das Wochenende schon wieder vorbei und wir gingen montags mit unseren Austauschschülerinnen in die Schule, wo sie dann in unterschiedliche Klassen gebracht wurden und einen Tag lang den deutschen Unterricht erlebten. Nachmittags waren wir alle in Pesch kegeln.
Schon war Dienstag und somit der letzte Tag. Wir fuhren zusammen nach Bonn, wo wir zuerst ins Haus der Geschichte gingen. Hört sich vielleicht ziemlich öde an, aber ich muss sagen, es war echt spannend und aufschlussreich. Die Franzosen hatten ihre eigene Führung und ich fand ehrlich gesagt, dass sie nach der Führung alle ziemlich gelangweilt waren - also war das Schlittschuhlaufen im Anschluss super ! Danach fuhren wir zusammen in die Bonner Innenstadt wo wir durch Geschäfte liefen, über den Weihnachtsmarkt gingen und bei McDonalds zu Mittag aßen. Der Tag ging super schnell vorbei, wie auch die Woche.
Abends packte sie alle Sachen zusammen und ich schenkte ihr noch einen Bilderrahmen mit Fotos von der Woche. Und ob man es glaubt oder nicht, aber meine Austauschschülerin hat sich während der Woche tatsächlich mit meinem Hund "befreundet".
Am nächsten Morgen, mussten wir schon sehr früh am Bus sein und sie verabschieden. Bei mehreren flossen Tränen, aber wir wussten ja zum Glück, dass wir uns im April in Frankreich wiedersehen würden. Und so war auch diese wunderschöne Woche schon vorbei.. !

Judith Klein

 

Echange Part II


Vom 18. März bis zum 24. März waren wir in Lille bei unseren Austauschpartnern, welche im Dezember bei uns gewesen waren. Ich hatte wirklich Glück. Das Haus meiner Corres sieht aus wie das von Pippi Langstrumpf.  Kunterbund und riiiesengroß! Ein weiterer Pluspunkt war, dass ihr Vater Gitarrist ist und um die zehn Gitarren besitzt. Fender, Epiphone... alles. Abends spielten wir dann auch öfters mal zusammen. Jeanne am Bass und ich durfte die Fender benutzen! Okay, ich schweife ab. Wieder zurück zum Austausch.
Als wir Donnerstags herzklopfend nach 3 ½ Stunden Fahrt am Lycée Montebello ankamen, staunten wir erstmal. Das Gymnasium war mehr als 3 mal größer als unsere Schule!
Ich frage mich immernoch, wie man sich da ohne Landkarte zurecht finden und pünktlich erscheinen soll.
Nach einer kleinen Einführung der Schulleiterin, gingen wir in die Kantine essen und von da fuhren Jeanne und ich mit der Metro in mein derzeitiges zu Hause (Wie gesagt das Haus ist echt der Hammer).
Freitag abends war eine Party bei Jeanne geplant. Deshalb fuhren wir zu Violette, die Austauschpartnerin einer Freundin und bereiteten alles vor.

Freitags hatten wir bis halb 1 Schule, aßen zu Mittag und gingen dann das Theaterstück „Le Grand Bleu“ (das große Blaue) schauen. Nach dem Fußmarsch sollten wir eigentlich über etwas sitzen froh sein, aber es war grauenhaft! Das Stück sollte von Gott und der Erschaffung Adam und Evas handeln. Doch dann stellt sich mir die Frage warum spielt Gott mit einem rohen Hühnchen, grölt bzw. macht Geräusche als erledige er gerade sein Geschäft und tötet seine Eva wieder? Also davon war im Religionsunterricht nie die Rede.
Jedenfalls waren wir danach ziemlich traumatisiert. Zumindest fuhren wir mit der Bahn zurück zum Lycee, um noch zwei Stunden Volleyball zu spielen, und liefen nicht wieder.

Abends auf der Party kam jeder, der beim Austausch mitgemacht hatte. (Um die 30 Leute!)

Samstags waren wir im berühmten Spaceship, wo man sich gegenseitig mit Laserpointern abschießt und erkundeten ein wenig die wunderschöne Altstadt.
Die Deutschen spielten gegen die Franzosen und verloren Haushoch. Es war aber trotzdem sehr lustig.
Abends war wieder eine Party bei Raphael, einem anderen Austauschpartner. Die war ziemlich anders wie die von meiner Corres. Wer den Film „Lol-Laughing Out Loud“ kennt, kann sich vorstellen wie anders.

Sonntags gingen Jeanne, eine Freundin, ihre Corres Amandine  und ich schwimmen. Anscheinend achten die Franzosen nicht so auf Ausweiskontrolle, denn um den Wellness-, Saunabereich nutzen zu können, musste man ein gewisses Alter haben.
Zum Glück konnten wir diesen Bereich nutzen. Denn das Wasser bei den Rutschen, Kindern etc. sah nicht sehr hygienisch aus und es schwamm auch einmal etwas ziemlich ungenießbares umher..

Der Tag war mit am Schönsten. Erst da merkte man wie stressig die letzte Zeit gewesen und wie fertig man selber war. Doch Stress und die Anspannung lösten sich mit einem Male wie heißer  Dampf in der Sauna auf.

Neuerholt startete ich also in den Montag. Auch allen anderen hatte das Wochenende sehr gut getan. Man hatte sich nun vollkommen an die Familie und die Sprache gewöhnt. Im großen und ganzen verstand sich nun eigentlich auch fast jeder mit seinem Partner.

Montags begleiteten wir die Franzosen in den Unterricht und machten eine Rallye in der Altstadt.
Dienstag war der große Tag. Wir fuhren nach Paris!!! Das Wetter war perfekt. Es war sogar schon richtig heiß! Zuerst hatten wir etwas Zeit Bilder mit dem Tour Eiffel zu machen, danach gab es eine Bootstour auf der Seine und anschließend konnten wir an der Champs Elysee entlang schländern. Vorbei an Touristenshops und Designerläden.
Leider bekam ich den Place du Tertre, der für seine Malerkünstler bekannt ist, nicht zu sehen. Dafür jedoch die atemberaubende Aussicht vom Sacré-Cœur auf die Stadt.
Das einzige was ziemlich nervte, waren die Händler, die einem vollquatschend hinterher liefen, damit man etwas kaufte.

Mit einem neuen J' <3 Paris T-Shirt ging es wieder zurück nach Lille, wo am nächsten Morgen schon die Rückfahrt anstand.

Anika Keils

 

 

 

lille 2009 Koeln

 

lille 2009 eislaufen

Erfahrungsbericht 2009 (Lille)

Eine Fahrt ins Ungewisse

Normal 0 21

Nachdem die Franzosen nun in Deutschland waren, waren wir an der Reihe, eine neue Kultur zu entdecken: vom 26.03. bis zum 01.04.09 fuhren wir nach Lille!

Am Donnerstagmorgen standen alle Schüler und Schülerinnen sowie die Lehrerinnen Frau Engelhardt und Frau Nitzschke pünktlich um 8 vor dem Lehrerparkplatz und warteten auf den Bus. Nach einer Verspätung kam er doch noch und der Abschied von den Eltern wurde durch die Vorfreude leicht überwunden.

Mit dem Bus knapp 5 Stunden gefahren und gut amüsiert, erwartete uns eine Schule, die mindestens dreimal so groß war wie unsere. Sprüche wie "Das ist doch nicht die Schule, oder?!" und "Oh mein Gott ist die riesig!" sagen wohl alles über die Reaktionen der Schüler. Mit Freude stürmten wir auf unsere "corres" zu und wurden anschließend vom Schulleiter und einem Büffet der französischen Art begrüßt.

Einige wohnten 2 Stunden von der Schule entfernt, andere nur 5 Minuten. Die vielen Glücklichen, die in der Nähe wohnten, brachten ihr Gepäck nach Hause und konnten die Familienmitglieder kennen lernen. Mit den corres gingen dann alle in die Stadt, um sich einen ersten Eindruck von Lille zu verschaffen. Am Abend trennten sich die Wege der Deutschen und man erlebte verschiedenerlei wie Konzerte oder auch ruhige Familienabende.

Am nächsten Tag ging es für die deutschen Schüler und Lehrerinnen in den "Palais des Beaux Arts", wo man mit einer französischen Führung und der Übersetzung der Lehrerinnen einiges über die vorhandenen Kunstwerke lernte. Nach dem Mittagessen in der großen Kantine ging es für alle in den Unterricht, der statt den gewohnten 45 Minuten 55 lang war. Einige mussten von 14 bis 18 Uhr in der Schule bleiben, worüber wir sehr erstaunt waren.

Das Wochenende bot keine Pause. Samstagvormittag mussten wir uns alle durch drei Schulstunden quälen! Ansonsten erlebten wir am Wochenende noch verschiedene Sachen wie einen Ausflug zur Küste Frankreichs oder Belgiens oder liefen Schlittschuh. Und dann kam endlich der lang ersehnte Ausflug am Montag: Es ging nach Paris!

Montag früh standen alle ziemlich müde aber aufgeregt vor dem Bus und freuten sich auf das bevorstehende Abenteuer. Nach drei Stunden Fahrt kamen wir in Paris an. Dort hielten wir am Eifelturm und waren nur noch erstaunt. Danach ging es zur Bootsfahrt auf der Seine, von wo man beispielsweise die berühmte Kirche "Notre Dame" sah. Mit dem Bus ging es später weiter zur "Champs-Élysées", der teuren Einkaufsstraße in Paris. Dort sahen wir auch den "Arc de Triomphe" und den Obelisken auf dem "Place de la Concorde". Wir fuhren dann zum "Montmartre", wo die Kirche "Sacré-Cœur" steht. Die Aussicht auf Paris und die Atmosphäre dort waren einfach atemberaubend.

Nach diesem schönen Erlebnis mussten wir aber doch noch nach Hause und die 3 Stunden zurück vergingen diesmal schneller.

Dienstagmorgen hatten die Franzosen Unterricht, wir dagegen bekamen eine Stadtführung von der Altstadt, diesmal auf Deutsch. Im Rathaus trafen wir wieder auf unsere corres und die französischen Lehrerinnen, die uns zum Empfang durch die sympathische Bürgermeisterin von Lille begleiteten. Wie oft aßen wir danach in der Schulkantine, kurz danach ging es zu Fuß zum Bowling, wo wir viel Spaß hatten. Nachdem Bowlen wurden noch letzte nötige Erledigungen in Lille gemacht. Doch danach war Schluss und wir verbrachten den letzen Abend mit unseren Gastfamilien.

Am Tag der Abreise waren viele froh, wieder nach Hause zu fahren, ich persönlich wäre lieber noch länger geblieben. Nachdem wir uns ausgiebig von unseren neuen Freunden verabschiedet haben, konnten sich unsere beiden Lehrerinnen einen Aprilscherz nicht verkneifen! Da sieht man, Lehrerinnen können auch gemein sein ;).

Es gab viele Dinge auf dieser unbekannten Reise, die uns ungewöhnlich erschienen oder zu Hause in Deutschland nicht vorhanden waren, doch alle haben diese Fahrt ins Ungewisse nicht bereut und würden es bestimmt ein zweites Mal wagen!

Sheila Sewar

 

Die Pescher Schüler/innen mit ihren Austauschpartnern auf den Stufen der Kirche Sacré-Cœur in Paris.

 

 

Erfahrungsbericht 2008 (Köln)

« On y va ! »

« On y va ! » war wohl der beliebteste Satz während des Austauschs mit den Schülern aus Lille, die vom 4.-10. Dezember 2008 zu Gast bei uns in Köln waren.
Nachdem die französischen Schüler die Fahrt von Lille nach Köln gut überstanden hatten, erlebten sie eine unvergessliche und erlebnisreiche Woche.
Zunächst wurden die Franzosen von unserem Schulleiter Herrn Klug begrüßt und mit einem leckeren Buffet gestärkt. Danach konnten die französischen Schüler es kaum erwarten ihre Gastfamilien kennenzulernen.

Nach einem erfolgreichen Kennenlernen konnte man am nächsten Morgen die französischen als auch die deutschen Schüler vor dem PZ gar nicht mehr überhören, da viele Informationen vom vorigen Tag ausgetauscht wurden. Während die französischen Austauschschüler das Glück hatten, eine Einführung über Köln von Herrn Sieben dargestellt zu bekommen, mussten sich die deutschen Schüler im Unterricht quälen und konnten es kaum erwarten, die Franzosen am Nachmittag vom Ludwig-Museum abzuholen.
Da die Franzosen eine echte kölsche Mahlzeit im Brauhaus „Sion“ zu sich genommen hatten, konnten sie nach dem Museumsbesuch gestärkt mit ihren Partnern die Kölner Einkaufsstraßen erkunden.
Für Einige hieß es am Wochenende Weihnachtsmärkte besuchen, ins Kino gehen und den Dom hochklettern, was trotz der Anstrengung viel Spaß bereitet hat. An diesem Wochenende fiel der Satz « On y va ! » wahrscheinlich am häufigsten.
Montagmorgen durften die Franzosen einen Schulalltag am Gymnasium Köln-Pesch miterleben. Am Nachmittag stand Kegeln auf dem Programm. Dies war ein komplett neues Erlebnis für die französischen Schüler. Dennoch hat es sehr viel Spaß gemacht.
Abends gesellten sich fast alle zu einem DVD-Abend zusammen.

Auf den Dienstag freuten sich Alle schon die ganze Woche, denn geplant war ein Tagesausflug nach Bonn, wo man das Haus der Geschichte besuchte, anschließend sein Glück auf dem Eis versuchte und später die Stadt in Kleingruppen erkundete sowie den Haribo-Shop plünderte. Nach einem Tag voller schöner Ereignisse folge eine von den Eltern organisierte Abschiedsparty. An diesem Abend wurde viel getanzt, gelacht und gesprochen.
Die Gespräche unter den Jugendlichen verliefen erstaunlicher Weise relativ gut und man lernte viele neue Vokabeln dazu. 
Trotz des traurigen Mittwochmorgens bedanken wir uns herzlich bei Frau Engelhardt dafür, dass wir gute neue Freunde durch diesen Austausch dazu gewonnen haben.


Chantal Schneider & Maga Goss

 

 

Entwicklung des Austauschprogramms

Als ich 1980 im Gymnasium Köln-Pesch anfing, war ich als Französischlehrerin sehr erfreut, dass bereits Kontakte mit Frankreich bestanden. Drei Jahre später fuhr ich das erste Mal mit einer Klasse nach Lille – und war beeindruckt und beglückt über den herzlichen Empfang.
Madame Arlette Hermant – Deutschlehrerin am Collège Jean Macé – unterrichtete nicht nur das Fach Deutsch, sondern hatte mehrere Jahre in Deutschland verbracht und war zutiefst durchdrungen von der Notwendigkeit deutsche und französische Jugendliche in Kontakt zu bringen, um den gemeinsamen Weg nach Europa zu gehen. Zeit und Mühe zählten für sie nicht, jeder Wunsch der Gäste sollte erfüllt werden, ob es sich um Ausflugsziele oder die damals für französische Schüler noch nicht übliche Disco handelte. Die Schule – im Zentrum gelegen – wurde mehr und mehr zum sozialen Brennpunkt, aber die Begeisterung, mit der Arlette Hermant ihren Schülern den Austausch und die Kontakte vermittelte, führte dazu, dass unsere Schüler sich in Jean Macé und vor allem in den Familien ausgesprochen wohl fühlten. Die große Verbundenheit zwischen dem Collège und unserem Gymnasium zeigte sich auch, als Madame Hermant und ihre Schüler im Jahre 1998 die weite Fahrt von Lille nach Köln auf sich nahmen, um an dem Pescher Marsch gegen den Hunger teilzunehmen.
Da unser Gymnasium wuchs, reichte die Schülerzahl in Lille bald nicht mehr aus und Frau Sandte-Wilms sah sich in der Stadt um und fand ein architektonisches Kunstwerk – eine ehemalige Abtei, die zum Vorzeigelycée umgebaut wurde. Die von Madame Edith Léhu mit großem Engagement betreute Europa-Klasse mit Schwerpunktfach Deutsch sollte unser zweiter Austauschpartner werden und ist es bis heute geblieben. Unsere Schüler beeindruckt die hervorragende medientechnische Ausstattung der Fachräume, die Bibliothek in der ehemaligen Kapelle und die Kantine, die eher ein Restaurant ist.
Europa ist inzwischen ein großes Stück vorangekommen, das Engagement auf beiden Seiten ist einer selbstverständlichen Routine gewichen – aber die menschliche Begegnung steht immer noch im Mittelpunkt.

Christa Peter (Jubiläumsschrift 2001)

Ein Brief aus Lille

Le Collège Jean Macé und das Gymnasium Köln-Pesch
Frau Sandte-Wilms aus Pesch und Frau Grignon aus Lille haben den ersten Austausch im Jahre 1979 zustande gebracht. (Frau Grignon sollte ein Jahr später nach Südfrankreich ziehen.) Wir fuhren im Frühjahr nach Pesch (die Schule bestand damals aus den zwei blauen Gebäuden) und die Schüler aus dem Pescher Gymnasium kamen im Herbst nach Lille. (...)
Tapfer und kühn haben wir diesen ersten Austausch mit mehr als fünfzig Schülern pro Gruppe unternommen. Sehr schnell bemerkten wir, dass je größer die Gruppe war, desto kürzer und lockerer die Besuche sein sollten. Bei dem ersten Austausch machten wir einen Tagesausflug auf den Drachenfels. Da es jetzt eine Verjährung gibt, darf ich eine Geschichte erwähnen, die ich nie vergessen habe: Die fünf französischen Lehrkräfte haben ihre deutschen Kollegen verloren sowie einen großen Teil ihrer Schüler (...) Niemand war stolz darauf und unsere Unruhe ziemlich groß. Glücklicherweise ist alles gut gegangen (Carla, die Mathelehrerin, und Barbara, die Englischlehrerin, erinnern sich vielleicht noch daran, denn sie waren dabei). (...) Niemals mehr wurde dieser Ort als Tagesausflug gewählt. Der Drache hat vielleicht die zukünftigen Tagesausflüge und Austausche geschützt, egal ob wir nach Bonn, Wuppertal, Kommern, in die Eifel, an die Mosel oder nach Dunkirchen, la Panne, Brügge, Amiens, Arras oder Paris fuhren.
Da die Zahl der deutschen Teilnehmer immer größer wurde, haben wir den Austausch gemeinsam mit einem anderen Collège aus Lille gemacht: le Collège Carnot. Die Zahl der Teilnehmer erreichte einmal 160 Schüler insgesamt. Ein gemeinsames Programm wurde organisiert.
Französischlehrer aus Pesch haben parallel mit dem Austausch mit Jean Macé einen Austausch mit einem Gymnasium neben Lille (le lycée de Gondecourt/Montebello) für die Schüler der Oberstufe organisiert. Ein paar Mal fuhren nach Pesch Schüler aus Jean Macé mit dem leeren Bus, der Schüler aus Pesch nach Gondecourt/Montebello geführt hatte. So entstanden für alle Gruppen billigere Fahrpreise.(...)
Die Geschichte unserer Austausche hat manchmal die Geschichte mit einem großen G getroffen: Schüler aus Jean Macé waren in Köln, als die Mauer am 9ten November 1989 sich öffnete, und auch am elften November (in Frankreich ein Feiertag anlässlich der Beendigung des Ersten Weltkrieges, Anm.d.Red.) bei der Eröffnung der Karnevalssitzungen. Für diese Schüler war der elfte November ein Datum: Welch eine Überwindung der Geschichte!
Lehrer aus Pesch wie Frau Sandte-Wilms, Herr Wilms, Frau Grunst, Frau Peter haben den Austausch mit Jean Macé aufrechterhalten und lebendig erhalten, solange sie in der Schule geblieben sind. Viele andere Lehrer(innen) der Schule haben auch dazu beigetragen, mit einer großen Bereitwilligkeit.
Der letzte Austausch mit Jean Macé fand im Schuljahr 1997/98 statt, mit neuen Begleitlehrern (Frau Held, Frau Griebel).
Aber Jean Macé kennt Probleme um diesen Austausch aufrechtzuerhalten: Die Zahl der Schüler, die Deutsch lernen, sinkt, gleichzeitig mit der Sozialherkunft der Schüler, die sich ändert. Viele Schüler haben Eltern nordafrikanischer Herkunft: Sie wählen Spanisch aus praktischen Gründen, wenn sie in den Ferien heimfahren, vielleicht auch, weil sie lieber „zusammen“ bleiben und sich vielleicht vor dem, was sie nicht kennen, fürchten.

Arlette Hermant; Der Text von Madame Hermant ist mit leichten Kürzungen im Wortlaut übernommmen. (Jubiläumsschrift 2001)