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Kurzreferat über "Dichter im Exil" ein Deutschprojekt einer Deutschkurses der Jgst. 11 Ovid trifft Dante Alighieri im Himmel von Judith Rathenow Ovid - O Dante Alighieri - DA O: Oh, guten Tag. Sind Sie neu hier? Soll ich Sie herumführen? DA: Danke, sehr freundlich von Ihnen. Ich bin Dante Alighieri. Ich komme aus Italien. Und Sie? O: Ich heiße Publius Ovidus Naso – kurz Ovid. Und welch ein Zufall – ich komme auch aus Italien. DA: Moment mal – Ovid? Davon habe ich mal gehört, glaube ich. Ah, jetzt fällt es mir ein, Sie sind ja ein Dichter. Ach du meine Güte, haben Sie nicht diese wunderbaren Klagelieder geschrieben? O: Ja, das habe ich. Kennen Sie sie? DA: Nicht alle, aber die, die ich gehört habe, waren sehr traurig. Sie müssen ein hartes Leben gehabt haben. O: Ja, als ich 45 Jahre alt war, wurde ich aus meiner Heimat verbannt. Das war so gegen 8 nach Christus. Ich musste ans Schwarze Meer gehen. Ich hatte furchtbares Heimweh nach Rom. Das hört man ja auch aus meinen Liedern heraus. DA: Und, sind Sie dann auch am Schwarzen Meer gestorben? Fern von Ihrer Heimat? O: Oh ja. Um 17 nach Christus. Ganz allein unter all diesen Barbaren. DA: Oje, Sie Armer. O: Aber so schlimm, wie alle sagen, waren die Barbaren ja doch nicht. Im Gegenteil, sie waren meistens sehr liebenswürdig. Darüber habe ich ja dann auch ein paar Lieder geschrieben. Und wie steht’s mit Ihnen? DA: Auch ich wurde verbannt. O: das ist ja schrecklich! Erzählen Sie mir davon. Haben Sie während Ihres Exils etwa auch Klagelieder geschrieben? DA: Na ja, als Lieder würde ich meine Schriften nicht gerade bezeichnen. Aber ich habe auch gedichtet. Eines meiner besten Werke ist die „Divina Commedia“. Vielleicht kennen Sie die ja. O: Tut mir leid, das war vor meiner Zeit. DA: Ach ja stimmt, entschuldigen Sie. Sie sind ja wirklich schon lange tot, nicht wahr? O: Eine Weile. DA: Ich wurde 1265 in Florenz geboren. Mein Vater gehörte dem Stadtadel an. Waren Sie nicht auch adlig, Herr Ovid? O: Oh ja, stimmt. Landadel. Na ja. Ist ja fast dasselbe. DA: Als ich zwanzig Jahre alt war, habe ich dann meine geliebte Frau kennen gelernt. Sie hieß Gemma und war eine Tochter aus der damals sehr mächtigen Donati-Familie. Zusammen hatten wir 4 Kinder. Hatten Sie eigentlich auch Kinder, Ovid? O: Oh, das weiß ich gar nicht mehr. Ist schon so lange her. Aber was ist dann passiert, Dante Alighieri? Weshalb wurden Sie verbannt? DA: Oh, ich machte den Fehler, mich in die Politik einzumischen. Damit machte ich mir viele Feinde. Und stellen Sie sich vor, gerade als ich dem Papst in Rom einen Besuch abstattete – O: Ach ja, Rom. Eine wunderbare Stadt. Ist sie immer noch genauso schön wie früher? DA: Woher soll ich das wissen? Ich denke, sie ist sicher sogar noch viel schöner geworden. Aber jedenfalls, genau in dieser Zeit haben meine Feinde, die „Neri“, meine Heimatstadt Florenz erobert. Als ich wieder nach Hause kam, teilten sie mir mit, ich solle für 2 Jahre verbannt werden, und außerdem wurde ich allen meinen Ämtern enthoben. Und zusätzlich sollte ich dann noch eine Geldstrafe zahlen. Ich war maßlos empört! O: Und Sie haben dann einfach nachgegeben und sind ausgewandert? DA: Niemals! Ich habe mich selbstverständlich geweigert, aber dann wollten sie mich zu Tode verurteilen. Deshalb bin ich dann doch gegangen. O: Sie tun mir furchtbar leid. Aber ich weiß, wie ich Sie aufheitern könnte. Soll ich Ihnen vielleicht eines meiner Lieder vorsingen? DA: Sehr gerne. Aber nur, wenn ich Ihnen dann etwas aus meinen Werken vortragen darf. Wussten Sie eigentlich, dass der Mann dort, der gerade angekommen ist, gesagt hat, dass meine „Divina Commedia“ in der heutigen Zeit eines der größten Werke der Weltliteratur ist? Und es ist die bedeutendste Dichtung der Italienischen Literatur. O: Wow, das ist ja fantastisch! Ich freue mich sehr für Sie. DA: Komm, gehen wir. Ich möchte unbedingt Ihre Meinung zu meiner Dichtung hören. (Ovid und Dante Alighieri gehen weg)
Lyrikwerkstatt Günter Eich: Denke daran, dass der Mensch des Menschen Feind ist (1953) Denke daran, daß der Mensch des Menschen Feind ist und daß er sinnt auf Vernichtung. Denke daran immer, denke daran jetzt, während eines Augenblicks im April, unter diesem verhangenen Himmel, während du das Wachstum als ein feines Knistern zu hören glaubst, die Mägde Disteln stechen unter dem Lerchenlied, auch in diesem Augenblick denke daran! Während du den Wein schmeckst in den Kellern von Randersacker oder Orangen pflückst in den Gärten von Alicante, während du einschläfst im Hotel Miramar nahe dem Strand von Taormina, oder am Allerseelentage eine Kerze entzündest auf dem Friedhof in Feuchtwangen, während du als Fischer das Netz aufholst über der Doggerbank, oder in Detroit eine Schraube vom Fließband nimmst, während du Pflanzen setzt in den Reis-Terrassen von Szetschuan, auf dem Maultier über die Anden reitest, -- denke daran! Denke daran, wenn eine Hand dich zärtlich berührt, denke daran in der Umarmung deiner Frau, denke daran beim Lachen deines Kindes! Denke daran, daß nach den großen Zerstörungen jedermann beweisen wird, daß er unschuldig war. Denke daran: Nirgendwo auf der Landkarte liegt Korea und Bikini, aber in deinem Herzen. Denke daran, daß du schuld bist an allem Entsetzlichen, das sich fern von dir abspielt -- Antwortgedicht zu Eichs „Denke daran, dass…“ von Julian Floric, Jgst. 12, (2009) In der Stunde X werde ich dennoch denken, dass die Erde schön war und das ist sie auch jetzt. Viel Schreckliches hast du gesehen, aber wie viel mehr Schönes wirst du jetzt sehen können? Das Essen möge dir fahl schmecken, kein Wasser soll deinen Durst zu stillen vermögen, sagen sie dir. Doch überall sind sie glücklich, als wenn der gestrige Tag nur Schall und Rauch gewesen wär’, wie ein schrecklicher Traum, aus dem man erwacht. Du sollst jedoch weiterhin träumen und gestraft sein. Dien’ mit Freude und frohlocke mit Zittern, denn wie leicht kann ihr Zorn entbrennen! Ich sage dir, öffne deine Augen, verschließe sie nicht von der Welt und erkenne dich selbst in ihr. Dann wirst du merken, dass das, was man einst Lager nannte nur noch eine Ansammlung von Stein und Stacheldraht ist und dass du allein entscheidest, welche Macht sie über dein Gewissen haben.
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